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Von der Burg zu Kloster und Schloss

Die Burg

Die erste befestigte Anlage (eine Burg) ist an der Stelle des heutigen Schlosses mit großer Sicherheit in der Zeit entstanden, als die Franken (um 750) unser Gebiet besiedelten und neben der ursprünglichen Siedlung Altenbreitungen (links der Werra) eine Villa Regia (einen Königshof) begründeten, und auf der gegenüberliegenden Werraseite auf dem strategisch günstigen Bergvorsprung eine Wehranlage bauten oder ausbauten. Auf diese Zeit gehen auch die alten Bezeichnungen Königsbreitungen und Burgbreitungen für die jetzigen Namen Frauenbreitungen und Herrenbreitungen zurück.

Als ersten archäologischen Nachweis derartiger Bauten gilt der Fund eines zerbrochen Weihwasserbeckens und die Freilegung eines Mauerbogens. Das Mauerwerk wird der karolingischen Zeit und das Weihwasserbecken auch der Zeit vor dem 10. Jahrhundert zugerechnet. Auch eine sichtbare Grabung innerhalb der Doppelarkade an der Ostseite des Schlosses zeigt tief unter das Fußbodenniveau dieser Kreuzgangarkade reichendes Mauerwerk. Hier liegen sicherlich Reste der alten Burganlage darunter. Die heute noch erkennbare Wehrhaftigkeit der Anlage durch starkes Mauerwerk und den Hühngraben sowie einen nicht mehr sichtbarer Graben an der Ostseite, lassen die frühere Nutzung als Burg erkennen.

Im Jahre 915 soll diese Burg, oder möglicherweise sogar Pfalz, durch die Ungarn auf ihren Raubzügen nach Frankreich zerstört worden sein. Urkundlicher Beweis ist die alte Bezeichnung „Burgbreitungen“ vom 10.5.1183 und andere chronistische Erwähnungen z.B. in den Jahren 1112 und 1124.

Das Kloster

Die endgültige Aufhebung der Burganlage und die Gründung eines Benediktinerklosters an seiner Stelle sind zeitlich nicht mehr genau einzuordnen. Es gibt die Auffassung, dass Kloster und Basilika vom Pfalzgrafen Siegfried von Orlamünde gestiftet und auf dessen Veranlassung 1112 geweiht wurde.

Es gibt auch die Meinung, dass die Weihenachricht in erster Linie für die Basilika zutreffend ist, das gesamte Kloster wäre aber vermutlich deswegen in die Weihhandlung einbezogen worden, weil hier Instandsetzungen oder Umbauten vorgenommen wurden, sodass die Gründung des Klosters bereits im 10. Jahrhundert erfolgte. Eins der stärksten Argumente für das Bestehen des Klosters vor 1112 ist eine Urkunde von 1049 über eine Grundstücksschenkung die im Monasterium, (also Kloster) Breitingen ausgefertigt wurde, und da das Kloster zu Königsbreitungen (später Frauenbreitungen) erst nach 1150 geweiht wurde, kann diese Beurkundung 1049 also nur hier im Kloster auf dem Burghügel erfolgt sein.

Auch in einer Aufzählung der Schutz- und Schirmherren des Klosters spielt diese Jahreszahl eine Rolle.

  • 989 bis 1209: Die Landgrafen von Thüringen
  • 1209 bis 1316: Die Dynasten von Frankenstein
  • 1316 bis 1337: Die Familie von Salza
  • 1337 bis zur Aufhebung: Die Grafen von Henneberg


Ab Mitte des 15. Jahrhunderts scheint das Kloster auch in seiner Bausubstanz im Niedergang gewesen zu sein und 1552 verließ der letzte Abt Kilian Vogel mit den letzten drei Mönchen das Kloster in Richtung Kaltennordheim ins dortige Schloss der Grafen von Hennberg und übergab den Hennebergern, wegen der unsicheren Zeit, das Kloster zur einstweiligen Verwaltung.

Damit endete die Geschichte des Klosters auf dem Burghügel in Herrenbreitungen.

Das Schloss

Schon kurz danach begann Graf Poppo von Henneberg auf und aus den Resten des Klosters ein Schloss im Stil der Renaissance zu bauen. Die romanische Klosterkirche (Basilika) wurde zur Schlosskirche.

Markanteste Veränderungen an der Basilika waren dabei die Aufstockung des Turmes oberhalb der Doppelarkaden, die Vermauerung des alten Haupteinganges durch den Turm und der neue Eingang mit dem Renaissanceportal an der jetzigen Stelle der Südwand mit dem gut erhaltenen Wappen.

Am Nordöstlichen Mittelschiffpfeiler wurde eine Kanzel errichtet. Der damalige Kanzelfuß trägt heut zu besonderen Anlässen einen dekorativen Blumenschmuck.

Eine weiter starke Veränderung der Basilika ergab sich nach dem Brand durch Kriegseinwirkung 1640, der schwere Schäden an Schloss und Basilika anrichtete. In dessen Folge wurden Querschiff und Chor abgerissen und der Triumphbogen des Chores und der Seitenschiffe vermauert.

Über die übrigen Gebäude des Klosters konnte sehr wenig ermittelt werden. In der Ostwand des Schlosses, also nach dem jetzigen Hof, wo sich der Kräutergarten befindet, sind noch romanische Baureste des Klosters enthalten. Auffällig ist die Doppelarkade, die früher durch die Kloanlage weitgehend verdeckt war und inzwischen freigelegt und jetzt geöffnet wird. Sie ist mit großer Sicherheit ein Teil des ehemaligen Kreuzganges. Auch weiter rechts, also nördlich von der Doppelarkade befinden sich romanische Baureste, so auch ein nur zum Teil aus der Erde ragender Türbogen.

Das Bauensemble des hennebergischen Renaissanceschlosses ist in seiner äußeren Bauform mit kastenförmigem Hauptgebäude, aufgelockert durch die 2 Treppentürme, dem langen Südflügel und der Toreinfahrt mit dem imposanten Renaissancegiebel, weitgehend erhalten geblieben, wenngleich die Bausubstanz auch schwere Schäden aufweist.

Die innere Gliederung und damalige Nutzung der Räume ist leider durch die unterschiedlichsten Nutzungen des Schlosses nach dem Tode des Erbauers Graf Poppo von Henneberg (1574) und seiner Witwe Sophie (1631), als hessischer Verwaltungssitz, Justizamt, Gefängnis, Rentnerei, zusätzliche Schulräume und als Wohnung von Familien, kaum noch rekonstruierbar.

 

 

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